Interview mit Univ.-Prof.Dr.Werner Wintersteiner

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Der Germanist Werner Wintersteiner [1] Der Kontinent der Mischungen [2]


Contents

[edit] Frieden:

„... als Prozess, nicht als ein Zustand eines endgültigen Friedensreiches; „...ein Prozess der Annäherung an einen wünschenswerten Zustand.“ Frieden als eine möglichst hohe Abwesenheit aller Form von Gewalt Ein Grundpfeiler des Friedens ist die Illegalisierung von Gewalt.“ (Dr. Werner Wintersteiner, Friedensforscher)

„... ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg – wird auch oft als „negativer Frieden definiert“ Frieden als Verhaltensweisen, Kulturen, Beziehungen zwischen den Menschen, die lebensfördernd, die gemeinschaftsfördernd, Individuumsfördernd, die die Beziehungen zwischen Menschen und der Natur langfristig sichern.

[edit] 3 Formen - Ebenen von Frieden:

  • Frieden mit sich selbst
  • Frieden in sozialen Beziehungen
  • Frieden zwischen Staaten oder größeren Gemeinschaften

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[edit] Friedenskonzepte:

  • Einrichtung des Friedensnobelpreises


Auszüge aus dem Interview mit Univ.Prof. Dr. Werner Wintersteiner



[edit] Das Interview:

Werner Wintersteiner: Seine Definition von:

Frieden: „... als Prozess, nicht als ein Zustand eines endgültigen Friedensreiches; „...ein Prozess der Annäherung an einen wünschenswerten Zustand.“ Frieden als eine möglichst hohe Abwesenheit aller Form von Gewalt Ein Grundpfeiler des Friedens ist die Illegalisierung von Gewalt.“ (Dr. Werner Wintersteiner, Friedensforscher) „... ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg – wird auch oft als „negativer Frieden definiert“ Frieden als Verhaltensweisen, Kulturen, Beziehungen zwischen den Menschen, die lebensfördernd, die gemeinschaftsfördernd, Individuumsfördernd, die die Beziehungen zwischen Menschen und der Natur langfristig sichern.

3 Formen- Ebenen von Frieden: - Frieden mit sich selbst - Frieden in sozialen Beziehungen - Frieden zwischen Staaten oder größeren Gemeinschaften

Es geht darum, den engen Zusammenhang zwischen diesen 3 Ebenen zu sehen. Zusammenhang zwischen innergesellschaftlichen Frieden und politischem Frieden nach außen wird nicht genügend beachtet.

Wann hat die Friedensbewegung verstärkt an Bedeutung gewonnen? Was waren historisch gesehen die Meilensteine? – jüngere Geschichte W.W.: Ein Höhepunkt war die klassische Friedensbewegung im späten 19.Jh., die aber erst in den letzten 40-50 Jahren vor dem 1. Weltkrieg an politischer Bedeutung gewonnen hat. Vorausgegangen sind die Kriege zw. Deutschland und Frankreich, Errichtung des deutschen Kaiserreiches (1870-71) Kriege zw. Österreich und Preußen, Krimkriege, russisch-japan. Krieg und die verschiedenen Vorgeplänkel, die zum 1. Weltkrieg geführt haben. In dieser Zeit ist der Friedensbewegung gelungen, die Fragen von Krieg und Frieden zumindest sehr breit zu thematisieren. Eines der interessantesten Ergebnisse, war, das erstmals in der Geschichte ein Friedenskongress stattgefunden hat und zwar 1899 in Den Haag in den Niederlanden. Das war der erste Friedenskongress von Weltmächten, der nicht aufgrund eines Krieges eine Neuordnung der internationalen Beziehungen zum Ziel hatte, sondern es war ein Kongress, dessen Thema war: „Wie könnte in Zukunft der Frieden erhalten und ausgeweitet werden in internationalen Beziehungen?“ war ...völlig losgelöst von aktuellem Bezug – kein Grund für eine Neuordnung. Der Wunsch der Friedensbewegung nach einem Friedenskongress wurde vom russischen Zaren vorgeschlagen und der Kongress und auch von ihm einberufen. Das war ein Grund des Misstrauens der anderen Mächte gegenüber einem der reaktionärsten Fürsten der damaligen Weltkonstellation – dass gerade dieser ihn einberufen hat. Ich glaube, dass man auch nicht unterschätzen darf, dass Österreich mit Bertha von Suttner eine prominente Vertreterin der Friedensbewegung gehabt hat. Sie war auch die Sprecherin international der Friedensbewegung. Die Einrichtung des Friedensnobelpreises 2-3 Jahre nach diesem Kongress. Und genau vor 100 Jahren hat ja Bertha von Suttner selbst diesen Preis bekommen. All das sind Zeichen, dass, obwohl es damals nicht gelungen ist, den Weltkrieg zu verhindern, doch deutlich Alternativen sichtbar wurden. Damals besonders die Idee des Schiedsgerichts also einer Konfliktregelung zwischen Staaten, die nicht auf Krieg und Gewalt beruht sondern auf einer bestimmten Verhandlungsform. Diese Idee, die später den Völkerbund zur Folge hatte,ist da schon angedacht gewesen. Und in einem geringen Maß auch schon die Idee einer Art Völkerverständigung von unten. Das hat es damals nur in Randbereichen gegeben, z.B. Lehrertreffen und Lehreraustausch zwischen Frankreich und Deutschland. Die beiden Länder, die am meisten gegeneinander gehetzt haben. Es hat eine internationale Bewegung gegeben, die sogenannte Interparlamentarische Union. Das waren Parlamentarier der, allerdings nicht immer demokratischen, Staaten, wie Österreich-Ungarn z.B., aber immerhin, die sich parallel zu den Weltfriedenskongressen getroffen haben.Treffen am gleichen Ort, sodass die Teilnehmer beides zugleich besuchen konnten. Das war auch ein Versuch, so einer internationalen Verständigung. Das wäre so die erste Phase gewesen. Die zweite Phase wäre ganz eindeutig die breite Antikriegsstimmung angesichts der Schrecken des ersten Weltkriegs. Die im Krieg begonnen hat und die sich besonders breit gemacht hat, nach Ende des Weltkriegs – diese ganz breite Antikriegsstimmung, die heute am besten zugänglich ist anhand ihrer literarischen Zeugnisse, die man in allen möglichen Sprachen findet. In Österreich natürlich den Karl Kraus, ... Es gibt da sehr viele literarische Dokumente, Zeugnisse, ich könnte da auch noch Stefan Zweig erwähnen ..., die sich bereits im Krieg verständigt haben, die praktisch in Opposition zum herrschenden Regime waren. Faktisch hat es dazu geführt, dass der Völkerbund gegründet wurde und damit zum ersten Mal ein allerdings nicht sehr wirksames Instrument geschaffen wurde, um über das Chaos der Staatenbeziehungen hinaus einen Regelungsmechanismus einzubauen.

Zwischenfrage: Es wurde damals ja viel Hoffnung da hineingesetzt. Trotzdem kam es zum zweiten Weltkrieg. Gab es damals knapp vor dem zweiten Weltkrieg nochmals konkrete Anti-Kriegsthemen oder war das in der politischen Auseinandersetzung verortet?

W.W. Ich glaube, man kann nicht sagen, dass damals so eine breite unabhängige Friedensbewegung war, das war natürlich auch eine sehr starke antifaschistische Bewegung. Es hat viele Leute gegeben, die gleich gesagt haben, Faschismus ist Krieg. Was ja, wenn man sich die Praxis der deutschen Nationalsozialisten oder italienischen Faschisten angesehen hat, ja natürlich auch nicht verwunderlich ist. D.h. es hat damals von den Bewegungen sehr stark eine Parallelschaltung, teilweise Überlappung von sozialistischen Bewegungen, antifaschistischen und antinationalsozialistischen und Friedensbewegungen stattgefunden. Das heißt nicht, dass es nicht auch unabhängige gegeben hat. Aber die haben nicht die selbe, sagen wir - Strahlkraft – gehabt, wie die vor dem ersten Weltkrieg. Die Sozialdemokratie auf der einen Seite, die aber letztlich in der Kriegs- und Friedensfrage umfgefallen ist,und die Friedensbewegung, die letztlich völlig hilflos war, wie der Krieg begonnen hat, die hat es weniger deutlich als die getrennte Bewegung gegeben. Was man natürlich noch dazusagen muss, dass damals eine Frage, die auch bis heute die Leute beschäftigt, entstanden ist, der Versuch, Frieden zu schaffen, indem man bestimmte Forderungen der am aggressivsten Staaten erfüllt, und dadurch sich mit bestimmten Zugeständnissen und Opfern einen langfristigen Frieden erkauft, das war die Strategie. Dort ist in die Geschichte als die sogenannteApeacement – also Befriedungspolitik - in die Geschichte eingegangen, Chamberlain. Das hat nicht funktioniert, das Gegenteil ist der Fall gewesen. Dadurch, dass man Hitler erlaubt hat, um das ist es im Wesentlichen gegangen, bestimmte Ausweitungen seines Machtbereiches in Österreich, Tschechoslowakei und seine Rechtfertigungen zu akzeptieren und vielleicht sogar selber zu verwenden als eigene Rechtfertigung hat Hitler stärker gemacht und noch aggressiver. Das ist ein historisches Beispiel dafür, dass Nachgeben gegenüber der Aggression kein Weg der Friedenspolitik ist.

Frage: Wer hat Hitler gegenüber nachgegeben? Besonders ist gemeint Chamberlain von England und Frankreich, die Anti-Hitlerkoalition, die aber gescheitert ist, das Ergebnis war der zweite Weltkrieg. Es wird heute sogar eine Kriegspolitik manchmal mit dem Scheitern dieses Apeacements gerechtfertigt. Damit ist es für die Friedensbewegung schwieriger geworden und die Fragen sind diffiziler geworden, weil auch nicht unterschieden wird zwischen dem Nachgeben gegenüber einer Aggression und anderen Formen des Widerstandes als Krieg z.B. Ich erinnere daran, dass gegen den Einmarsch Hitlers nur ein Land protestiert hat und das war kein europäisches Land, sondern Mexiko. Das ist ein Zeichen, dass hier nicht der Spielraum gesehen wird, wenn man nur die Frage stellt: „Krieg oder Apeacement?“

Frage: „Wenn wir jetzt von Friedenskonzepten, von Friedensengagement reden, wo spielt sich heute Friedensengagement ab?“ Heute ist es sichtbar, dass auf all diesen Ebenen Friedensaktivitäten vorhanden sind. Was die internationale Politik betrifft, so war ein Focus zweifelsohne die Anti-kriegsbewegung gegen den Irak-Krieg, die viel mehr Leute umfasst hat, als nur solche, die überzeugte Pazifisten sind, in dem Sinne, dass sie gegen jeden Einsatz von Gewalt/Kriegen sind. Es waren auch Leute, die gesagt haben, dieser Krieg ist ein Fehler, dieser Krieg ist falsch. Das ist nicht zu unterschätzen, weil damals die New York Times diese Bewegung die „dritte Supermacht“ oder die „neue Supermacht“ genannt hat. Es waren so viele Menschen auf der ganzen Welt gleichzeitig auf der Straße, was es noch nie gab. Das zeigt auch eine neue Organisationsform der internationalen Friedensbewegung – also auch die Globalisierung der Friedensbewegung. Ich habe bei meinem dreimonatigen Aufenthalt in den USA gesehen, dass die heutige Friedensbewegung gegen den Irak-Krieg immer mehr Menschen umfasst, die keine Pazifisten sind. Sie ist nicht zu Ende. Im Gegenteil, alle Beobachter sagen, dass gerade die amerikanische Friedensbewegung an Stärke zu nimmt. Ein interessantes Phänomen, das es so nicht gegeben hat, oder zumindest nicht in dieser Stärke, ist, dass die Eltern oder Verwandten von im Krieg Gefallenen sich an die Spitze der Friedensbewegung stellen. Am bekanntesten ist in Österreich z.B. Cindy Shehan, welche ihren Sohn im Irak-Krieg verloren hat, eine Demokratin und überzeugte aktive Katholikin, die in spektakulärer Weise Rechtfertigung für diesen Tod von Präsident Bush gefordert hat. Ihr Sohn hat Casey geheißen. Im Sommer hat sie dann „Camp Casey“ eingerichtet, ein Zeltlager gegenüber der Sommerresidenz von George Bush und hat ihn dort „belagert“ monatelang. Sie wird inzwischen als eine Alternative zu Hillary Clinten für die Präsidentschaft gehandelt. Sie hat in ihrer Rede bei der Brooklyn Peace-Fair sehr stark die New Yorker Senatoren der Demokraten wegen ihrer Irak-Politik angegriffen. Die Widersprüche spitzen sich dort so zu, dass sogar Kriegsveteranen die Unterstützung aufgeben.

Globale Friedensbewegungen Eine zweite internationale Bewegung, die sehr wichtig ist und großes Potential für eine Friedensbewegung hat, ist die der sogenannten Globalisierungsgegner. Ich sage sogenannte Globalisierungsgegner, weil sie in meinen Augen fast alle für eine andere Globalisierung eintreten und nicht gegen die Globalisierung. Das ist eigentlich eine falsche und diffamierende Ausdrucksweise. Was da in den letzten Jahren mit diesen Sozialforen und Erziehungsforen geschaffen wurde, die parallel dazu entstanden sind, zuerst auf globaler, inzwischen auch auf regionaler Ebene. Das konzentriert sich um die Form der internationalen gesellschaftlichen Widersprüche, wo sie am brennendsten werden. Das ist oft Armut, Unterentwicklung, ungleiche Handelsbeziehungen, Verschlechterungen für die Menschen des Südens. Aber auch Verarmung in den Ländern des Nordens – kurz gegen eine neoliberale Politik, die oft nur sehr wenigen Leuten etwas bringt und sehr vielen Leuten etwas nimmt. Diese Politik ist auch die Politik, die Kriege hervorruft – nicht alle Kriege natürlich. Da ist ein sehr starkes gesellschaftliches Potential an Friedensbewegung drin, das ab und zu eben in Brennpunkten, wie z.B. auch dem Irak-Krieg aktualisiert wird.

Regionale Friedensbewegungen Dann darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es unglaublich viele regionale Bewegungen gibt, in denen die Menschen versuchen, Kriege zu verhindern, gegen Kriege anzukämpfen oder in Gesellschaften, die Kriege hinter sich haben, an Versöhnung, Wiederaufbau, an einer Kultur des Friedens zu arbeiten.

Wir wissen, dass gerade in Westafrika z.B. ganz neue Entwicklungen stattfinden. z.B. in Liberia, ist eine Frau Ministerpräsidentin geworden, die das ganz eindeutig als Friedensbewegung deklariert hat.


Bezeichnend scheint mir auch das Beispiel der vorjährigen, nicht der heurigen Friedensnobelpreisträgerin. Zum ersten Mal wurde jemand ausgezeichnet, dessen Hauptverdienst im ökologischen Bereich liegt. Wobei ein enger Zusammenhang zwischen ökologischer Zerstörung und Krieg natürlich gegeben ist. Aber hier hat die Weltöffentlichkeit zum ersten Mal diesen engen Zusammenhang zwischen Frieden auch mit der Natur und Friede unter den Menschen akzeptiert, was ein wichtiges Thema unter den Menschen heute ist. Und das ist tatsächlich auch eine neue Entwicklung. Die Entwicklung wird durch den Preis sichtbar. (Sichtbarmachung durch Friedensnobelpreis) Das Entscheidende ist, dass die verschiedenen „Ebenen des Friedens“ sehr eng zusammenhängen und man sie nur insgesamt erreichen kann. Man kann nicht das eine erreichen ohne das andere. Es gibt das indianische Sprichwort, das genau das besagt. Die Ebenen hängen eng zusammen und man braucht diesen inneren Frieden.

Mit dem Begriff der Kultur des Friedens ist meiner Meinung nach auch ein begriffliches Instrumentarium entwickelt worden, das diesem Zusammenhang stärker als bisher Rechnung trägt. Der Begriff der „Kultur des Friedens“ sagt ja allein durch seine Existenz, dass es nicht genügt, Frieden auf einer politischen Ebene herzustellen, sondern dass Frieden auf einer nachhaltigeren und tieferen Ebene eben der kulturellen Ebene hergestellt wird. Mit kultureller Ebene sind die alltäglichen Beziehungen zwischen den Menschen gemeint, deren übliches Verhalten. Das ist es, was in den UN und UNESCO als „Kultur des Friedens“ aufscheint. Das ist sehr wichtig. Man kann auch hier noch weitergehen und wie z.B. Johann Galtung von einer Tiefenkultur. Man muss sich vielleicht vorstellen, dass in einem unbewussten Bereich des Menschen bestimmte Grundmuster des Verhaltens, die langfristig verankert sind, die dann das konkrete Verhalten erst generieren. Wo es darum geht, auch in dieser Tiefenstruktur eine Veränderung in Richtung eines friedlichen Verhaltens herbeizuführen.

Frage: Wäre zum Beispiel Friedenspädagogik in den Schulen ein Mittel um eine solche Veränderung herbeizuführen? Friedenspädagogik ist sicher ein sehr wichtiger Bereich, wird sich sicher nicht auf die Schulen beschränken. Man kann Friedenspädagogik sozusagen als ein Gesamtprogramm einer Gesellschaftserziehung verstehen, so wie in den besten Traditionen der Aufklärung, als ja ein Lessing von der Erziehung des Menschengeschlechts gesprochen hat und nicht von der Erziehung des Menschengeschlechts zwischen 6 und 14. Ich glaube schon, dass das so etwas sein kann. Frage: Ist nicht Pädagogik auch ein zweischneidiges Feld? Da geht es darum, Gewalt auszuüben, um Formung von Menschen. Das ist ja gerade geschichtlich sehr vorbelastet. Braucht es nicht nur andere Inhalte, sondern auch andere Strukturen? Genau deswegen braucht es ja Friedenspädagogik, weil es nicht einfach neue Inhalte für die Pädagogik sind, sondern ich sage, es ist Sozialkritik auf das Feld der Pädagogik gewendet, die untersucht oder überprüft, wie weit die Pädagogik selbst, die päd. Praxen, die päd. Strukturen, Schulen usw. wie weit dieser ganze Bereich friedensfördernd ist oder nicht. Das ist die erste Aufgabe der Friedenspädagogik. Erst in der zweiten Linie geht es darum, über Inhalte nachzudenken, die positiv in einen Erziehungsprozess hineinkommen. Der Erziehungsprozess selbst muss reformiert werden. Wir definieren im der deutschen Sprache Bildung definieren Wir konnotieren Erziehung ja mit stark fremdbestimmt, und Bildung als etwas verstehen, das autonom und stark fremdbestimmt stattfindet; mit Hilfe von anderen. Insofern ist natürlich der Begriff Friedenserziehung an sich schon problematisch. Friedenspädagogik passt schon. Friedensbildung wäre sicher ein angemessenerer Begriff, aber er ist eben nicht eingeführt.

Gründung des Friedensinstitutes (Vorstellung von Prof. Wintersteiner) Wie kam es zur Bildung des Institutes? Was ist die Tätigkeit? Wir befinden uns im Raum des Institutes für Friedensforschung. Wer waren die Initiatoren zur Gründung des Friedensinstitutes?

Ich war jetzt 3 Mo an der Columbia University am Teachers College in New York . Ist von einem späteren Friedensnobelpreisträger Nicholas Mary Butler gegründet worden. Butler hat gesagt: „ das was letztendlich geschichtlich Veränderungen bringt, sind Ideen, die zu Institutionen geworden sind. Und damit hat er auch sein Teachers College gemeint, das ursprünglich dazu da war, der armen Bevölkerung gute Lehrer zu sichern. Ähnlich denke ich, dass die Idee der Friedensforschung und Friedenspädagogik auch etwas ist, was die Form einer Institution annehmen muss, damit sie nachhaltig Wirkung bringt. Deshalb war es meine Idee, der ich, wie viele andere seit vielen Jahren Friedensforschung und Friedenspädagogik betreibe, an der Universität tatsächlich solche Strukturen zu schaffen, wie dieses Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Fakultät für Kulturwissenschaften. Es war meine Idee. Ich habe sie der Universität in einem Moment vorgeschlagen, da es eine Suche nach einem neuen Profil, nach einem neuen Entwicklungskonzept, einer neuen Identität, aufgekommen ist, im Zuge der Autonomisierung der Universitäten und dem neuen Universitätsgesetz. Diese Idee wäre aber nie zu einer Institution geworden, wenn es meine geblieben wäre. Gott sei Dank ist es nicht so gewesen. Ich habe eine für mich überraschende und erfreuliche Resonanz bei Kolleginnen und Kollegen – im Vergleich sogar mehr Kolleginnen als Kollegen der verschiedensten Institute gefunden. Die wichtigsten Namen in diesem Zusammenhang: Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften: verschiedene Leute wurden hier immer wieder aktiv – im besonderen - Brigitte Hipfl –hat ganz entscheidend mitgewirkt

           Sehr wichtig war für mich auch die Unterstützung von 

- Helga Rabenstein-Moser hat auch schon als Vizerektorin für internationale Beziehungen Friedensaktivitäten unterstützt und ist ein Gründungsmitglied dieser ganzen Gruppe geworden. - Dekan Stuhlpfarrer

ohne seine Unterstützung wäre die Durchführung nicht möglich gewesen. Er hat seinen Einfluss geltend gemacht, damit die finanziellen Mittel zur Verfügung standen.

Es gab eine Gruppe von 20 Personen, darunter auch Studierende: - Ute Twordi (war eine der aktivsten Besucherinnen dieser Vorbereitungstreffen) - Rektor Hödl war eine ganz wichtige Stütze sagte sofort seine Unterstützung zu, hat das auch öffentlich vertreten

Das Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik ist ja noch sehr jung: besteht seit Mai 2005 Wir haben nicht die Möglichkeiten eines Institutes. Wir wollen gleichzeitig auf mehreren Feldern beginnen. Wir wollen bereits in diesem Wintersemester ein Lehrprogramm anbieten, welches ziemlich vielfältig ist, und für alle Studierenden aller Studienrichtungen offen steht im wesentlichen im Rahmen ihrer freien Wahlfächer. In manchen Fächern wurden auch einzelne Punkte in das Pflichtprogramm übernommen. Ein großer Teil sind ja Professoren, die das im Rahmen ihrer normalen Unterrichtstätigkeit anbieten und Universitätslehrgänge. Aufgrund der beschränkten finanziellen Mittel können wir nur wenige Zusatzveranstaltungen anbieten. Ich würde mir wünschen ein Masters und ein Doktoratsstudium, sowie Universitätslehrgänge. Einen Universitätslehrgang „Human Rights and Peace-Education in Europe“.gibt es bereits, der läuft schon länger, als das Zentrum besteht, bereits seit 2004 und bietet eine universitäre friedenspädagogische Ausbildung für Lehrkräfte aus ganz Europa an und das ist einmalig in Europa. Dieser Lehrgang findet in ganz Europa statt. Jeder Seminarort ist ein neuer Lernort. Das letzte Seminar wird nächstes Jahr in Österreich stattfinden.

Sind solche Lehrgänge auf einer E-Learning Plattform im Internet für Sie denkbar? Sehr gerne würde ich Partner finden, mit denen wir diesen Lehrgang in ein Fernstudium umbauen könnten, was nicht hieße, dass es keine Präsenzphasen mehr gäbe. Aber ich glaube, die Qualität würde dadurch erhöht werden. Bisher hatten wir nicht die nötigen Kapazitäten. Ich bin sehr offen für neue Möglichkeiten, das auch über Europa hinaus, global anzubieten. Aber regional sind wir auch nicht untätig. Es hat Gespräche mit einer Gruppe von Kolleginnen und Kollegen mit der Präsidentin des Landesschulrates für Kärnten gegeben. Wir werden bereits im Frühjahr 2006 zum ersten Mal eine gemeinsame Veranstaltung zwischen Kärntner Landesschulrat und der Alpen Adria Universität Klagenfurt zur Gründung einer friedenspädagogischen Plattform Kärnten stattfinden. Es soll dann regelmäßig Lehrer/innenfortbildung auf dem Gebiet stattfinden, es sollen die Schulen Projekte machen, wir wollen eine Art Preis ausschreiben, der vielleicht einmal im Jahr vergeben wird für die Jugendlichen selbst für Texte, vermutlich Texte zum Frieden oder etwas in der Art. Es ist uns ganz wichtig, dass das in Kooperation mit dem Landesschulrat stattfindet. Daran arbeiten wir schon eine Zeit lang.

Das ist wiederum im Zusammenhang zu sehen mit unseren Alpen-Adria-Projekten. Diese Plattform wird auch unterstützt und vernetzt mit einer Friedenspädagogischen Plattform in Friaul und mit Aktivitäten in Slowenien, die noch nicht so weit gediehen sind, zu einer Plattform. Diese grenzüberschreitende Arbeit im Schulbereich ist etwas sehr wichtiges für uns. Es dürfte bekannt sein, dass im Vorjahr eine Friedenskonferenz in Udine stattgefunden hat, an der die Universität Klagenfurt ganz entscheidend mitgearbeitet hat an der Konzeption, der Durchführung und den Inhalten. Das war der Bereich Friedenspädagogik.

Ein anderer Bereich ist natürlich die Forschung: Buch: Klagenfurter Beiträge zu Friedensforschung, Friedenspädagogik Das Zentrum erhält sehr viele Angebote von außerhalb – aus der Zivilgesellschaft. Von Kirchen, von Einzelinitiativen, von kleinen Vereinen, die uns für Vorträge haben möchten, zur Unterstützung bei Projekten, Veranstaltungen, für gemeinsame Aktivitäten, Beratungswünsche. Es gibt eine unglaubliche Resonanz, der wir, im besonderen auch Kollegin Bettina Gruber, kaum nachkommen können, weil wir noch nicht diese Kapazität haben.

Ein wichtiges Projekt, das ich noch nennen möchte: ein inneruniversitäres Vernetzungsprojekt wird Anfang nächsten Jahres starten. Es heißt Kultur und Konflikt. Es geht darum den Bereich der Genderforschung, der politischen Bildung (am IFF angesiedelt) und der Friedensforschung (am Zentrum angesiedelt) miteinander zu vernetzen und sich in einer innovativen Weise gesellschaftliche Konfliktfelder aus diesen Bereichen anzusehen und gemeinsam zu bearbeiten. Dazu werden wir einerseits die Kräfte der Universität nützen und andererseits auch Expertinnen und Experten von außerhalb einladen, mitzumachen. Daraus soll einerseits eine Art Forschungsbericht entstehen, andererseits wird überlegt, ob daraus nicht ein größeres Forschungsprojekt entstehen könnte, das in dieser ersten Phase vorbereitet werden kann. Mein persönliches Interesse an diesem Projekt ist wieder der Zusammenhang zwischen Kultur und Gewalt. Ich glaube, dass dies ein Forschungsbereich ist, der noch nicht ausreichend erforscht ist.

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